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Seit einigen Jahren führen wir regelmäßig die Pfadfinder-Lilienfahrt - eine Entwicklung aus unserer Region - durch, die mittlerweile auch in anderen Regionen Deutschlands begeisterte Anhänger gefunden hat.
Worum geht es bei der Regionalen Lilienfahrt?
Die Pfadfinderlilienfahrt entstand aus der Beobachtung heraus, daß viele unserer Rangers das Interesse verloren hatten, die Prüfungen des Logbuchs abzulegen. Wir als Leiterschaft erkannten das zum größten Teil auch als eigenes Versagen an, denn uns wurde bewußt, daß es unsere Aufgabe ist, den Rangers sinnvolle Hilfestellung zu geben, damit jedes Stammesmitglied den Stufenpfad Stück für Stück bezwingen kann.
Mehrere Ideen kamen auf den Tisch, wie wir diesem Sachverhalt entgegen wirken könnten. Eine davon war, daß jedes Team einen speziellen Hajk durchführen sollte, bei dem die Rangers so viele praktische Prüfungsaufgaben, wie möglich ablegen konnten, denn viele Aufgaben im Logbuch lassen sich miteinander kombinieren. Wir einigten uns darauf, daß es besser ist, wenn nicht jedes Team, sondern der Stamm als ganzes eine solche Aktion durchführen würde.
Viele der Aufgaben schienen uns auch zu aufwendig, um sie im Rahmen des Stamm- oder Teamtreffs abzulegen. Daraus folgte für uns, daß derjenige Ranger, der nicht auch außerhalb des Treffs Zeit in das Erfüllen der Aufgaben investiert, immer einige "schwere Brocken" im Logbuch vor sich haben würde. Während im Pfadrangeralter eine entsprechende Eigeninitiative ja durchaus verlangt werden kann, sollte und im Prüfungsplan so ja auch vorgesehen ist, schien uns, daß man von Rangers im Pfadfinder- und Kundschafteralter nicht selbstverständlich eine derartige Selbständigkeit abverlangen kann. Kinder in diesem Alter benötigen je nach Entwicklungsstand noch eine mehr oder weniger starke Führung, die ihnen den Weg zeigt.
Was hieß das für uns Leiter im Hinblick auf die Prüfungen? Damit manche Aufgaben eben nicht zu "schweren, unüberwindlichen Brocken" werden, müssen wir Leiter helfen, diese Brocken aus dem Weg zu räumen; wohlgemerkt: "helfen", nicht: "es alleine tun". Wir planten, diese Hilfestellung in Form von Kursen über die für die Prüfungsaufgaben benötigten Pfadfindertechniken zu geben, die wir als Stationen in den Ablauf des Hajks einbauten.
Nachdem wir dieses Konzept erfolgreich je einmal stammintern und zusammen mit dem Nachbarstamm verwirklicht hatten, boten wir auch den anderen Stämmen der Region an, daran teilzunehmen. Die Idee des Teamhajks, speziell für´s Erfüllen der Logbuchaufgaben, war also im dritten Jahr zu einem "Riesenbaby" herangewachsen an dem im Frühjahr 2001 bereits 85 Rangers (inklusive 18 Leiter) teilnahmen.
Und doch spricht nichts dagegen, das Grundkonzept im kleinen, sprich als Teamhajk, zu verwirklichen.
Was sind die speziellen Ziele?
Das erklärte Ziel der Regionalen Pfadfinder Lilienfahrt (im weiteren übrigens mit RPLF abgekürzt) ist selbstverständlich das Erfüllen der praktischen Prüfungsaufgaben im Logbuch. Besonders derjenigen, die ausdrücklich auf der Fahrt / dem Hajk oder im Team erledigen werden müssen.
Abgelegte schwere Aufgaben machen den Blick nach vorne, also auf weitere Prüfungsaufgaben, frei. Es ist leichter, seine Prüfung, z. B. die Bronzelilie, zu vollenden, wenn man die schwierigsten Aufgaben bereits hinter sich hat. Auf diese Motivation durch den Erfolg zielt die RPLF ab, aber auch auf andere Arten der Motivation.
Ich habe es im Laufe meiner RR Laufbahn stets erlebt, daß mich gelungene RR Aktionen neu für die Stammtreffs und zukünftige RR Aktionen begeistert haben. Oft habe ich diese feurige Begeisterung, z. B. in Stammtreffs und Leiterbesprechungen hinein getragen und andere damit angesteckt. ähnlich stelle ich mir erfolgreiche Regionalaktionen vor. Die Teilnehmer eines Stamms kommen zurück nach Hause und sind begeistert für die Rangers. Dies kann einen positiven Aufwärtstrend innerhalb des Stamms als Folge haben.
Dadurch, daß die Teilnehmer mit den Leitern aus anderen Stämmen zusammenkommen, wird ihnen Leiterschaft oft auf bisher nicht gekannte Art und Weise präsentiert. Es ist wahrscheinlich, daß die Teilnehmer, durch die Anhäufung vieler starker Leitercharaktere aus der Region Vorbilder finden, durch die sie zu einem entschiedenerem Leben mit Gott ermutigt werden. Auch das ist ein Ziel.
Bekanntlich ist die Silberlilie eine Anforderung für die Teilnahme am JLTC und die Goldlilie entsprechend eine für das JLTT. Viele Rangers würden gerne eine dieser Ausbildungsmaßnahmen besuchen, haben aber die notwendige Prüfungsstufe nicht erreicht. Die RPLF soll es den Rangers daher erleichtern, die Anforderungen für diese Ausbildungsmaßnahmen zu erfüllen.
Letztlich geht es auch darum, die kleineren Stämme der Region zu entlasten, die einen Hajk speziell für die Prüfungserfüllung nicht organisieren könnten, bzw. Schwierigkeiten dabei hätten. Schließlich hilft der Starke dem Schwachen, oder nicht? Es könnte auch nicht angehen, daß Royal Ranger Stämme eine solide Arbeit haben und florieren, wenn nicht auch kleinere Nachbarstämme in der ein oder anderen Weise davon profitieren.
Dies fördert das Zusammenwachsen der Region, der Gemeinden und somit auch Gottes Reichs. Die Rangers (also auch die Leiter) lernen sich kennen und führen jede folgende Regionalaktion auf einer stabileren Basis durch.
Die wichtigsten Programmpunkte
Die gesamte Fahrt ist für 3 Tage konzipiert. Der erste davon besteht aus einem Orientierungslauf ("Wandere eine Strecke von 20 km in 4 Stunden, bzw. 25 km in 5 Stunden"), der zweite aus einer Wanderung nach Waldläuferzeichen mit Stationen unterwegs, an denen das Wissen der unterschiedlichen Prüfungsaufgaben weitergegeben / abgeprüft wird. Wir wählten für diese Stationen vornehmlich Prüfungen, welche man zwar auch im Team- oder Stammtreff ablegen konnte, die aber "in natura" ausgeführt werden mußten, z. B. "ein Hindernis mit den Umgehungsmarken des Kompaß zu umgehen", "Höhe eines Baums oder Bauwerkes mit der Strahlensatzmethode messen" oder "einen Ranger der eigenen Gewichtsklasse transportieren".
Zwischen diesen beiden Wanderstrecken liegt die Biwaknacht. Bei dieser übernachtung im Freien werden alle möglichen Prüfungen abgelegt, welche die Fahrt als Rahmen benötigen: z. B. sich ein Biwak aus einer Kohtenbahn, einem Poncho oder aus Naturmaterialien zu bauen, ein Pemmikan-Abendessen, bzw. Pupro-Frühstück zubereiten oder Brot im Waldläuferbackofen zubereiten.
Der dritte Tag findet in einem Basislager statt. Im Plenum finden dort Kurse statt, die auch in weiterführende Themen, wie einige Sonderprüfungen hineinschnuppern lassen. Wir hielten z. B. Kurse über "Astronomie" und "Royal Rangers international". Dadurch bekommen die Rangers die Lösung für die entsprechenden Sonderprüfungen nicht fix und fertig präsentiert, haben aber etwas Basiswissen, um die Prüfungen später leichter selbst zu vollenden.
Das Basislager dient außerdem auch dazu, von den 2 vorhergehenden Tagen auszuruhen, die ja doch recht anstrengend sind.
Die letzte große Aktion am dritten Tag ist das Mittagessen, das jedes Team selbst aus den "Naturmaterialien" der Umgebung zubereitet. Dies ist stets sowohl eine Gaudi, als auch eine neue Erfahrung für fast alle.
Wie führt man diesen Hajk durch?
Wir hatten die Pfadfinderlilienfahrt ja bereits zweimal in kleinerem Umfang durchgeführt, bevor wir uns daran wagten, die ganze Region einzuladen. Daher hatten wir bereits ein gut funktionierendes Programm, und auch die grundsätzliche Organisation von Fahrten für viele Leute war uns nicht fremd. Trotzdem gab es noch einige Dinge, die wir durch die Beteiligung der gesamten Region neu festlegen mußten.
Zunächst einmal fanden wir uns als sogenannter Patenstamm bereit, die Grundorganisation zu tragen. So kam es, daß die Posten Trailleiter, Trail-, Proviant- und Materialwart von Personen aus unserem Stamm besetzt wurden, um eine schnelle Kommunikation zu ermöglichen. Dieses Prinzip hat sich auch bewährt, da unter diesen Leuten ja im Vorfeld die meiste Planung und Absprache getätigt werden mußte. Des weiteren stellten wir als Patenstamm grundsätzlich die allgemeine Ausrüstung (hauptsächlich Küchenausrüstung, z. T. aber auch Zeltmaterial). Vieles wurde dadurch erheblich vereinfacht.
Dann machten wir uns noch Gedanken darüber, ob wir als Patenstamm überhaupt genügend Teamleiter für die Aktion stellen konnten. Im frühen Planungsstadium waren wir uns darüber absolut nicht im Klaren, da wir ja noch nicht wissen konnten, wie viele Rangers sich denn anmelden würden. Deshalb dachten wir uns ein System aus, durch welches gesichert war, daß auch genügend Leiter dabei sein würden. Damit ein Stamm Teilnehmer für die Aktion anmelden durfte, mußte er pro 5 angemeldeten Teilnehmern außerdem noch einen Leiter desselben Geschlechts stellen. Wenn ein Stamm z. B. 3, 4 oder 5 Rangers anmeldete, mußte er mindestens 1 Leiter stellen. Wenn der Stamm z. B. 6, 7, 8, 9 oder 10 Rangers anmeldete, mußte er mindestens 2 Leiter stellen. Ab 11 waren es mindestens 3 Leiter.
Weil wir aber Stämmen mit wenigen Leitern entgegenkommen wollten, legten wir einen "Freibetrag" von 2 Anmeldungen fest. Das heißt, daß ein Stamm keine Leiter stellen mußte, wenn er lediglich 1 oder 2 Rangers anmeldete.
Bei der tatsächlichen großen Teilnehmerzahl von ca. 70 Teilnehmern hätten wir wirklich im Regen gestanden, wenn wir uns nur auf die eigenen Kräfte verlassen hätten.
Im Vorfeld hatten wir beschlossen, speziell für die RPLF Schulungsunterlagen zu entwerfen, so daß wir selbst das Copyright darauf besaßen (auch für alle Zeichnungen) und die Unterlagen deshalb mit gutem Gewissen frei weitergeben konnten. Eine ganz besondere Seite in der Schulungsbroschüre ist der "Prüfungsbogen". Es war vorgesehen, daß der Stationsleiter oder der RPLF-Teamleiter jedes Teilnehmers hier seine Unterschrift abgab für jede Prüfungsaufgabe, die der Teilnehmer geschafft hatte. Uns war wichtig, daß wir als RPLF-Leiter nichts direkt im Logbuch des Rangers abhakten, denn zwischen jedem Stamm gibt es Unterschiede in der Strenge beim Ablegen der Prüfungen. So blieb es dem Team- oder Stammleiter des entsprechenden Stamms überlassen, ob er die Aufgabe als bestanden anerkannte, oder ob er fand, daß manche Aufgaben zu soft bewertet wurden. Wenn wir Prüfungsaufgaben im Logbuch einfach als bestanden abgehakt hätten, wäre die Kontrolle für diese Leiter außerdem gleich 0 gewesen. Bei allem Vertrauen: wer hätte 2 Wochen später noch nachvollziehen können, ob das Häkchen von uns stammte oder von einem "nicht so besonders ehrlichen" Ranger.
Schließlich gab es noch eine weitere wichtige Richtlinie. Wir setzten nämlich für die Teilnahme an der RPLF die erfolgreich abgeschlossene Pfadfinderaufbaustufe (oder entsprechend mindestens die abgelegte Forscherprüfung) voraus. Dies aus zwei Gründen. Zum einen wollten wir bei den Teilnehmern einen Grundlevel an Wissen sicherstellen, damit die Kluft an Wissen unter ihnen nicht allzu sehr auseinander klaffte. Zum andern wollten wir die Rangers dazu ermutigen, diese Prüfung abzulegen, da wir finden, daß der notwendige Aufwand dazu nicht allzu groß ist. Wenn jemand im Dezember (als die Einladungen zur RPLF herausgingen) mit der Pfadfinderaufbaustufe begonnen hatte, konnte er bis zum April (als die RPLF statt fand) locker damit fertig sein. Wenn außerdem noch ein guter Teamleiter auf den Fortschritt ein Auge hatte, war die Sache geritzt.
Tips für die Durchführung
"Rangers machen, was Sinn macht." - dieser weise Ausspruch hat mich und unseren Stamm schon vor so mancher bürokratischer, zweckentfremdeter Regelbefolgerei bewahrt.
Ein Beispiel: bei den Vorbereitungen zur RPLF einigten wir uns darauf, daß jeder Teilnehmer sein volles Gepäck am 2. Tag während dem Stationenlauf zum Basislager selbst tragen mußte (am ersten Tag hatten wir es während dem 20 km / 25 km Orientierungslauf noch mit PKW´s zum Biwakplatz transportiert). Doch als wir den allgemeinen Zustand der Belegschaft nach der Ankunft von der Orientierungswanderung am ersten Tag realisierten - nicht wenige gingen wahrlich "auf dem Zahnfleisch" daher - war uns klar, daß wir unseren Plan ändern mußten.
Es existierten unterschiedliche Meinungen: "Sind wir Rangers oder Popper? Jeder trägt gefälligst seinen Rucksack. Außerdem haben wir das so ausgemacht." - bis zu: "So fertig, wie manche von denen sind, packen die keine 10 Meter mehr mit vollem Gepäck."
Wir einigten uns darauf, daß es jedem Ranger freigestellt blieb, mit oder ohne Gepäck zu laufen, mit Verweis darauf, daß noch einige Kilometer zu bewältigen waren, und mit der Option, das Gepäck mittags an einer Station abzugeben.
So blieben wir flexibel, damit einige "Powerhirsche" noch ihr Letztes geben konnten, während manche "Blasenfüßler" die Tour doch noch bis zu Ende schafften.
Was wäre gewesen, wenn wir auf die ursprüngliche Planung bestanden hätten? Uns wären manche der Teilnehmer ausgestiegen, wie sie hinterher glaubhaft versicherten.
Um den vielen möglichen unvorhersehbaren Situationen erfolgreich begegnen zu können, braucht man 2. eine unverkrampfte Sichtweise, die von Traditionen (Motto: "..., weil das schon immer so gemacht wurde.") nicht eingeschränkt wird, und 1. Gottes Gnade.
Das ist der allerbeste Praxistip - denk mal drüber nach.
Je mehr Teilnehmer und je größer die Veranstaltung, desto mehr Arbeit muß bereits im Vorfeld erledigt worden sein, denn sonst artet die Aktion in Chaos aus. Das gilt für jede Art Veranstaltung.
Am besten hat man lange bevor es losgeht einen Plan, bei dem bereits alle Sachen haarfein geregelt sind. Und dann benötigt man noch einen Notfallplan, der in Kraft tritt, falls der ursprüngliche Plan nicht eingehalten werden kann (aus welchen Gründen auch immer).
Keine Angst - das klingt komplizierter, als es ist. Normalerweise läuft es so, daß der Trailleiter zusammen mit dem Trailwart einen Ablaufsplan erstellt und diesen in einer Besprechung zusammen mit möglichst allen später mitwirkenden Leitern durchspricht.
Dabei stellen sich - wenn alle mitdenken - allerhand Fragen: "Was ist, wenn unterwegs jemand richtig schlapp macht?" - "Woher bekommen wir so viele Trangias, wie wir nach dem bisherigen Plan bräuchten?" - usw...
Alle diese Sachen müssen geklärt und im Ablaufplan berücksichtigt werden.
Je öfter man den Ablaufplan gedanklich durcharbeitet, desto mehr werden die "Ecken und Kanten" entfernt - also Sachen, die entweder nicht machbar sind, oder die Probleme darstellen, welche erst unterwegs auffallen würden.
Was ist also wichtig? Möglichst frühzeitig den Ablaufplan erstellen, feststellen, welche Leiter verantwortlich mithelfen, und mit ihnen den Ablaufplan mindestens einmal (besser zweimal) durchsprechen.
Nach dem ersten Treffen sollte auch schon die meiste Arbeit (vor allem die aufwändigste) an verantwortliche Personen vergeben worden sein, damit man absehen kann, wieviel Hilfe man noch benötigt und damit sich diese Leute früh ans Werk machen können.
Vergiß bei aller Planung aber Tip 1 nicht!
Vergiß auch niemals, daß sich auch kleine Sachverhalte "hochfakturieren".
Ein Beispiel: Stell dir den Hajk mit 70 Teilnehmern und 15 Leitern vor, also 85 Personen. Abends soll es ein Essen auf dem "Trangia" Spirituskocher geben. Wenn man einen Trangia für 4 Personen berechnet, ist das knapp. Außerdem muß man in Schichten essen. Auf 85 Personen gerechnet, benötigt man also ca. 21 Trangias. Woher bekommt man eine solche Menge an Spirituskochern?
Die Teilnehmer, welche die Bronzelilie ablegen, benötigen für die Biwaknacht pro Person eine Kohtenbahn, um die Prüfung "Baue alleine eine Lokomotive oder Kröte aus Kohtenblättern" ablegen zu können. Bei unserer RPLF waren die Bronzelilienabsolventen in der überzahl. Recht spät realisierten wir, daß unser Stamm - als Patenstamm - gar nicht diese Menge an Kohtenbahnen bereitstellen konnte. Daher machten wir es den Teilnehmern zur Auflage, sich selbst um dieses Ausrüstungsstück zu kümmern. Nur für den Fall, daß partout keine Kohtenbahn aufzutreiben war, gaben wir welche von unserem Stamm her.
Auch mit dem morgendlichen Start zur Wanderung hatten wir uns ein wenig verkalkuliert. Wir hatten die Teilnehmer in 12 Teams eingeteilt, welche während der Wanderung optimalerweise getrennt voneinander marschieren sollten. Das setzte voraus, daß die Teams am zweiten Tag zeitversetzt losliefen. Leider kamen wir bei 12 Teams und einem Abstand von 15 Minuten auf eine Gesamtspanne von 180 Minuten, also 3 Stunden. Wenn das erste Team um 9.00 h loslief (wie geplant), war das letzte Team um 12.00 h dran... Das hatten wir so nicht vorgesehen, denn wenn das erste Team dann um 16.00 h ankam (wie geplant), würde das letzte erst um 19.00 h erschöpft am Basislager ankommen. Zum einen wäre das zu knapp für den Ablaufsplan, zum anderen wollten wir nicht, daß die letzten Team keine Zeit mehr hatten, sich von der Wanderung auszuruhen, bevor es mit dem Abendprogramm weiterging. Wir verlegten also kurzerhand die Weckzeit um eine Stunde nach vorne (auf 6.00 h) und hatten abends in der Tat eine dringend benötigte Stunde "Luft", da das letzte Team ziemlich genau um 18.00 h eintraf.
Fazit: je mehr Teilnehmer dabei sind, desto mehr Gewicht bekommen die Details, die kleinen Einzelheiten, welche z. B. bei einem Teamhajk überhaupt kein Problem darstellen.
Falls Du Interesse an unseren Unterlagen hast, schau mal unter [Unterlagen] nach. Dort haben wir die wichtigsten Unterlagen zur RPLF digital zum downloaden bereitgestellt. Wer die Unterlagen gerne ausgedruckt erhalten möchte, kann sie dort zum Selbstkostenpreis bestellen.
Falls du auch eine solche Fahrt veranstalten möchtest, kopiere das Konzept aber nicht einfach, sondern pass es an eure Gegebenheiten an. Das eine oder andere mag bei uns hervorragend funktioniert haben, würde bei euch aber vielleicht gnadenlos in die Hose gehen...
Weitere Erfahrungen mit der Praxis
Eine der Beobachtungen, die man auf der RPLF machen konnte, war, daß die teilnehmenden Rangers eine höchst geordnete Gruppe waren. Obwohl die gesamte Aktion alle Beteiligten extrem anstrengte, gab es keinerlei (mir bewußten) Streit oder auch nur Maulerei. Selbst als alle 85 Beteiligte ohne Stühle in einem Saal den Vorträgen lauschten, ging das sehr kontrolliert vonstatten. Großes Lob an alle, die dabei waren und das jetzt lesen.
Aber auch in anderen Bereichen erlebten wir positive Effekte. Am dritten Morgen hatten wir zusammen eine kurze, aber knackige Lobpreiszeit. Unter meiner Mitwirkung hatte ich erst selten erlebt, daß die "Audienz" (eigentlich ja falsches Wort) so "dabei war". Bis jetzt bereue ich, daß wir diese Zeiten nicht noch ausgedehnt haben. Bei zukünftigen RPLF Aktionen werden wir ganz besonders auch auf solche Zeiten den Schwerpunkt legen, in denen jeder Beteiligte ganz persönlich vor Gott kommen kann und Stärkung erfährt.
Zur Abwechslung mal etwas, das sich nicht bewährt hat: wir planten, daß jeder Teilnehmer das unterschriebene Blatt Papier, auf dem man sehen konnte, wie viele und welche Prüfungsaufgaben der Teilnehmer geschafft hatte, bei der Trailleitung abgeben mußte. Sinn dahinter war, daß der jeweilige Stammleiter diese Bögen zugesendet bekommt, zusammen mit einer Zusammenfassung der erreichten Prüfungen und einer kurzen Beschreibung der jeweiligen Umstände. Tatsache ist jedenfalls, daß die Bögen eine nicht unerhebliche Zeit auf meinem Schreibtisch ruhten und daß anscheinend im "Einsammeldurcheinander" das Blatt einer Teilnehmerin verschütt ging. Auch der ursprüngliche Zweck (dem Stammleiter eine Zusammenfassung zu schicken) macht nur wenig Sinn, da er dies ja auch selbst nachprüfen kann, wenn er / sie Wert darauf legt (was meist nicht der Fall ist). Wir werden jedenfalls nie wieder die Prüfungsbögen bei einer RPLF einsammeln.
Sind wir mit den Kosten hingekommen? Im Prinzip ja. 20.- DM pro Teilnehmer war zugegebenermaßen knapp kalkuliert, aber deswegen mußte dennoch niemand Hunger leiden. Wir hatten am Ende ca. 250.- DM übrig, die wir (zusammen mit einem Zuschuß aus der Regionalkasse) dazu verwendeten, um nachträglich noch Aufnäher für alle Beteiligten anzufertigen. Mit einem Beitrag von ca 20, 50 DM wären wir bei ca. 85 Teilnehmern inklusive Aufnäher ziemlich genau auf 0 rausgekommen. Was man hierzu aber sagen muß, ist, daß wir das überschüssige Essen beim nächsten Gottesdienst an unsere kauffreudige Gemeinde verhökert haben ("jeder zahlt, soviel er will" - das war meist mehr als der Selbstkostenpreis :) und daß keiner der Auto fahrenden Leiter Spritkosten verlangt hat.
Abschließendes Praxisfazit: "An die Grenzen der Leistungsfähigkeit kommen - aber nicht drüber hinaus. Das bringt´s." So blieb die Aktion bei allen Beteiligten eine schöne Erinnerung und jeder erfuhr neu, wie weit die persönliche Belastungsgrenze gesteckt ist.
Wie motiviere ich Rangers zum Ablegen der Prüfungen?
Darum geht es ja bei der RPLF: Motivation zum Ablegen der Logbuchprüfungen. Aber wie kann man es schaffen, daß auch abseits solcher Aktionen im Stamm eine positive Einstellung hierzu vorherrscht?
Ein kleines Beispiel zur prinzipiellen Verdeutlichung: bevor jemand etwas kauft, möchte er in der Regel wissen, was ihm dieses Sache bringt. Jeder gibt sein kostbares Geld nur ungern oder überhaupt nicht für etwas her, von dem er nicht überzeugt ist. Ich würde mir kein Buch kaufen, dessen Thema mich nicht interessiert. Doch wie locker sitzt oft der Geldbeutel, wenn der Titel (und Klappentext) lockt...
übertragen auf die Royal Rangers und das Ablegen der Prüfungen, kann man das kostbare Geld mit dem Einsatz jeden Rangers zum Ablegen der Prüfungen vergleichen. Der Einsatz ist nur dann da, wenn das Ziel lockt und dann meist um so mehr.
Die erste Frage ist also: Was ist das Ziel? Wenn das Ziel der Prüfungen alleine das "auswendig können" der Prüfungsinhalte wäre, wäre das etwas wenig. Für sich alleine genommen, scheinen manche Aufgaben heutzutage zweifellos etwas "lebensfern". Der allergrößte Teil der Rangers wird sein Leben auch so ganz gut meistern können, ohne 5 wichtige Waldläuferzeichen zu kennen.
Wirklich wichtig ist allerdings, daß die Fertigkeiten und Einstellungen erlangt werden, die hinter all diesen Prüfungen stecken: unangenehme Aufgaben anpacken können, Aufgaben zu Ende bringen können, das Wort Gottes gut kennen, Eigeninitiative und Selbständigkeit besitzen, seien neben vielen weiteren genannt.
Diese Fertigkeiten und somit die Prüfungsaufgaben tragen dazu bei, eine gesunde, ausgeglichene Lebensführung zu entwickeln. Ohne diese Lebensführung ist erfolgreiche Leiterschaft im Reich Gottes nicht möglich. Und das wollen wir doch für jeden unserer Ranger.
Letztendlich geht es also wieder um die dreifache Zielsetzung der Royal Rangers: Kinder zu Jesus führen, Kinder bei Jesus halten und - hier leg ich jetzt mal die Betonung drauf - Kinder für Jesus dienstbereit machen.
Die nächste Frage ist also: wie mache ich es meinen Schützlingen begreiflich, daß Leiterschaft im Reich Gottes etwas ist, wofür sich der Einsatz lohnt?
Zunächst selbstverständlich durch dein eigenes Vorbild. Du kannst schließlich nichts weitergeben, was du selbst nicht hast. Wenn du selbst ein begeisterter Leiter bist, überträgt sich dies. Wenn du eine Trantüte oder ein Miesmacher bist, überträgt sich dies leider auch. Achte auf deinen Lebensstil, werde über deine Ziele und Werte klar, baue Visionen auf, lege selber die Logbuchprüfungen ab. über kurz oder lang wirkt sich das positiv aus und bringt den Unterschied.
Aber nicht nur du, sondern auch die anderen Leiter stehen im Mittelpunkt. Ein motiviertes, begeistertes Leiterteam hat motivierte, begeisterte Rangers im Stammtreff. Daher ist es wichtig, daß keine Uneinigkeit zwischen euch herrscht. Ihr solltet untereinander gute Freunde sein.
Am Schluß vielleicht das wichtigste: sorge dafür, daß die Rangers eigene Erfahrungen mit Gott machen können. Ich habe nie motiviertere Rangers erlebt, als solche, die für Jesus brannten, weil sie ihn kannten, und ich bin selbst nie motivierter, alles für Gottes Reich zu geben, als in Zeiten, in denen ich deutlich Gottes Heiligen Geist in mir spüre.
[Harry Trautmann]
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