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Seit einigen Jahren führen wir regelmäßig die Pfadfinder-Lilienfahrt - eine Entwicklung aus unserer Region - durch, die mittlerweile auch in anderen Regionen Deutschlands begeisterte Anhänger gefunden hat.
Ein Tourbericht
Zur ersten regionalen Pfadfinderlilien-Fahrt der Region S8-Schwarzwald trafen sich am 19. April 2001 86 mutige Rangers in Sulz am Neckar. Sie waren trotz widrigen Wetterumständen aus verschiedensten Stämmen der Region und der angrenzenden Regionen angereist. Der Wetterbericht sagte nichts Gutes voraus und an den Ausgangsorten der Einzelnen schienen sich die düsteren Prognosen zu bestätigen. Ganz anders dagegen in Sulz: entgegen allen Erwartungen blieb es dort trocken und ab und zu schaute sogar die Sonne vorbei.
Nach erfolgreich abgeschlossener Registration der angereisten Teilnehmer startete die Fahrt durch. Das Lobpreisteam sorgte zu Beginn der Fahrt schon mal für Begeisterung, bevor die Teilnehmer sich in ihren Teams zusammenfinden sollten um die im Folgenden benötigten Fertigkeiten im Umgang mit Karte und Kompaß noch einmal üben zu können.
Anschließend wurde Proviant gefaßt und schon waren die Teams unterwegs zu den Ausgangsorten des Orientierungsmarsches. Es galt mit leichtem Marschgepäck 20 km in 4 Stunden zurückzulegen. Angekommen an den Ausgangspunkten des Marsches mußten die Teams sich zunächst orientieren. Hierbei kamen die zuvor nochmals eingeübten Kenntnisse zum Einsatz: per Kreuzpeilung wurde der Standort bestimmt und auf der Karte eingezeichnet. In Abständen von je einer Viertelstunde begaben sich die Teams auf die Strecke. Der genaue Weg war dabei jedem Team selbst überlassen. Nicht immer empfahl es sich, den direktesten Weg zu wählen, da die tief eingeschnittenen Seitentäler des Neckartales sich einem solchen Vorhaben oft in den Weg stellten. Daher schien es oft einfacher, dem Wasser zu folgen und entlang des Flusses zum Ziel zu gelangen.
War dieses erste Etappenziel ersteinmal erreicht, so mußten Biwaks für die übernachtung hergerichtet werden. Je nachdem, welche Prüfung die einzelnen Teilnehmer gerade bearbeiteten konnten dies eine Kröte oder Lokomotive, ein Biwak unter Zuhilfenahme des Ponchos oder sogar ein Biwak aus Naturmaterial sein.
Zur Stärkung gab es am Abend eine Mahlzeit mit Pemmikan und, wie könnten sie bei einer Ranger-Aktion fehlen: Maultaschen. Meist wurden diese beiden Bestandteile auf den Pfannen der Trangia-Kocher gebraten, doch einige Teams machten sich auch die Mühe ein mehrgängiges Menü daraus zu kreieren.
Am Lagerfeuer hielt der Trailpastor eine Andacht über das was die Rangers gerade an diesem Tag praktiziert hatten: Karte und Kompaß. Dabei erklärte er den Teilnehmern, daß es auch für ihr Leben eine Karte, die Bibel, und einen Kompaß, den Heiligen Geist, gibt.
Da am nächsten Morgen um 6 Uhr früh schon geweckt werden sollte endete der Lagerfeuerabend für die meisten schon ziemlich bald. Sie verkrochen sich in ihre Biwaks um dort eine meist recht kurze und kalte Nacht zu verbringen. Die in der Nacht vorherrschenden Temperaturen im Bereich um 0°C ließen so manche Kohtenplane steifgefrieren.
Der morgendliche Weckdienst im Person des Lobpreisleiters warf mit Hilfe einer Trillerpfeife und eines zweckentfremdeten Wasserkanisters auch diejenigen aus dem mehr oder weniger warmen Nest, die bisher den eisigen Temperaturen getrotzt hatten. Die meisten Teilnehmer hätten vermutlich auf diese Maßnahme verzichten können, da die Kälte sie längst geweckt und mach einen an das wärmende Lagerfeuer, das einige eifrige Helfer schnell entzündet hatten, getrieben hatte.
Die Biwaks wurden wieder abgebrochen und die Teilnehmer versammelten sich am Lagerfeuer. Zur Aufwärmung gab's noch vor dem Frühstück eine kleine Runde gemeinsamen Frühsport, um die steifgefrorenen Glieder wieder aufzulockern.
Das Frühstück barg ebenfalls seine Schwierigkeiten: die Getränke sollten mit Hilfe von Pupro hergestellt werden, doch dazu mußte zuerst einmal, die Eisschicht, die sich auf den Wasserkanistern gebildet hatte durchbrochen werden. Auch das Essen gestaltete sich nicht ganz so einfach, da die von den Rangers so sehr geliebte Nutoka zum Streichen zu hart war. Einige schlaue Köpfe machten aus der Not eine Tugend und warfen die Trangias an. Das Nutoka-Glas in einen Pott warmes Wasser gestellt und schon läßt sich eine dicke braune Soße auf's Brot gießen...
Nach dem Frühstück gab es für die ersten Gruppen schon eine kurze Einweisung in die Kunst ein Kroki und Waldläuferzeichen zu lesen, denn die heutige Tagesstrecke sollte in weiten Teilen in dieser Weise absolviert werden. Die übrigen Gruppen betätigten sich derweil als 'Ranger-Staubsauger' und säuberten den Platz von allen eventuell zurückgelassenen der übernachtung.
Der erste Teil der Streckenbeschreibung für den heutigen Tag war eine Wegbeschreibung, bei der die Rangers die am Vortag schon praktizierten Kenntnisse im Umgang mit dem Kompaß üben konnten. Fanden Sie den richtigen Weg, was für alle Gruppen, bis auf eine eigentlich auch zutraf, so trafen sie nach ca. Einer halben Stunde bereits auf die erste Station.
Dort sollte aus Naturmaterialien und der persönlichen Ausrüstung eine Behelfstrage hergestellt werden, um einen Verletzten notfalls auch über längere Strecken transportieren zu können. Die Tragestangen hierfür waren im naheliegenden Waldstück, in dem offensichtlich vor nicht allzulanger Zeit Forstarbeiten stattgefunden hatten, schnell organisiert. Unter Zuhilfenahme der persönlichen Ausrüstung (Ponchos, Jacken etc.) wurde dazu noch eine Liegefläche gebastelt, auf der der Verletzte nun transportiert werden konnte.
War diese Station einmal absolviert, so ging es weiter nach der Wegbeschreibung, bis eine Viertelstunde später schon die nächste Station auftauchte. An dieser zweiten Station sollten die praktischen Fähigkeiten bei der Umgehung eines Hindernisses mit Hilfe der Umgehungsmarken des Kompanten geübt werden.
Nun verließen die Rangers das Tal, in dem sie sich bisher bewegt hatten und erklommen die Hochfläche westlich davon. Der vom Sturm stellenweise etwas unkenntlich gemachte Weg sorgte für einige Verwirrung auf Seiten der Wanderer, so daß hier einige von der Wegbeschreibung abkamen. Die meisten jedoch erreichten die darauffolgende dritte Station, wo sie erlernen sollten, welche Möglichkeiten es gibt, Verletzte über kürzere Distanzen (100 m) zu transportieren.
Kurz nach dieser Station, die die letzte für diesen Morgen sein sollte, endete die Wegbeschreibung. Der folgende Teil der Strecke bis zum Mittagessen war in einem Wegkroki beschrieben. Da die meisten Gruppen aber schon den Start dieses Krokis verfehlten gestaltete sich dieser Abschnitt relativ schwierig. Am Ende kamen trotz dieser Schwierigkeiten alle Gruppen bei dem Rastplatz, an dem das Mittagessen ausgegeben wurde an, so daß kein Magen hungrig bleiben mußte. Zur Stärkung gab es Würstchen und Kartoffelsalat, sowie verschiedene Erfrischungsgetränke.
Die Strecke für den Nachmittag erforderte von den Rangers noch mehr Aufmerksamkeit, als am Morgen, denn die restlichen 10 km waren mit Waldläuferzeichen markiert. Zunächst galt es den richtigen Einstieg zu finden, indem man das Zeichen für Spurbeginn suchen mußte. War dieses einmal gefunden brauchte man nur die Augen offen zu halten und schon konnte man alle 20-25 Meter ein mehr oder weniger gut verstecktes Zeichen finden. Auf diese Weise legten die Rangers die letzte Etappe der Fahrt zurück. Das Wetter, das am Vortag noch so großartig gehalten hatte, begann nun sich zu verschlechtern und leichtes Schneetreiben setzte ein.
Dennoch kamen fast alle Gruppen bei der einzigen Station dieses Nachmittags an, die gleichzeitig, in Sichtweite des Zielpunktes, das Ende der Waldläuferzeichenstrecke markierte. Fast alle? Eine Gruppe hatte sich ganz schön verlaufen und wurde am Abend in der Nähe ihres Ausgangspunktes wieder aufgefunden.
Die letzte Station befand sich an einem auf freiem Feld stehenden Hochsitz. Der aufmerksame Pfadfinder kann sich nun schon denken, um was es hier ging: mit Hilfe des Strahlensatzes sollte die Höhe des Hochsitzes gemessen werden. Da die Sonne sich den ganzen Nachmittag über bedeckt hielt konnte die Schattenmethode nicht angewandt werden, so daß die Rangers auf die andere Methode, mit Hilfe des Strahlensatzes eine unbekannte Höhe zu ermitteln zurückgreifen mußten: ein Stock bekannter Länge wurde in den Boden gesteckt. Fand man nun den Punkt, an dem man, wenn man über die Spitze des Stockes peilte, genau die Spitze des Hochsitzes anvisierte, so erhielt man zwei Entfernungen (nämlich die zum Stock und die zum Hochsitz), deren Verhältnis dem Verhältnis der Länge des Stockes zur Höhe des Hochsitzes entsprach.
War diese Station absolviert, so erklärten die dort anwesenden Leiter den Rangers, wie sie das Gemeindehaus der Volksmission im von der Station aus bereits deutlich sichtbaren Mötzingen erreichen konnten.
Dort hatten in der Zwischenzeit einige eifrige Leiter die übernachtungsmöglichkeiten für die nun langsam hereintröpfelnden Teilnehmer vorbereitet. Um die Räume des Gemeindehauses vor dem am Sonntag morgen anstehenden Gottesdienst nicht zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen mußten die Rangers die Schuhe ausziehen, bevor sie das Gebäude betraten, was einen bunten Schuhsalat auf der Terasse vor dem Haus zur Folge hatte.
Nachdem man sich eine Weile ausgeruht und auch ein kräftigendes Abendessen zu sich genommen hatte begann der nächste Programmpunkt des Abends. Die Lobpreisband heizte die Stimmung etwas an, bevor der Trailpastor eine kurze Andacht hielt. Anschließend gab es, passend zur Andacht, einen Workshop über Astronomie und die Orientierung mit Hilfe der Sterne. Die in diesem theoretischen Teil erworbenen Kenntnisse konnten schließlich gleich noch in die Praxis umgesetzt werden: Alles was noch gehen und stehen konnte pilgerte an einen Aussichtspunkt außerhalb des Ortes, um dort den großen und den kleinen Bären, sowie den Polarstern zu finden.
Am Ende dieses anstrengenden Tages fielen die Rangers in einen tiefen erholsamen Schlaf. Dank der im Vergleich zum Vortag relativ warmen Schlafgelegenheiten kehrte in dem meisten Schlafräumen schnell Ruhe ein. Angesichts der Tatsache, daß das Wecken am nächsten Tag schon auf 7 Uhr angesetzt war, was die Leiter auch gnadenlos durchhielten, hatten die meisten diesen Schlaf auch bitter nötig. Doch wie sagte doch bereits Lord Baden-Powell: "Early to bed and early to rise makes the man healthy, wealthy and wise."
Dem Frühstück am nächsten Morgen folgte eine Lobpreiszeit mit Andacht. Die Bewegungslieder zu Beginn dieser Zeit wurden gleich als Möglichkeit genutzt, den an diesem Morgen ausgefallenen Frühsport nachzuholen.
Im Anschluß an diesen Punkt begann für die Rangers bereits die Vorbereitung auf das Mittagessen, die sich über den gesamten Vormittag hinziehen sollte: der Trailwart gab eine kurze Einführung in die für das Mittagessen benötigten Naturmaterialien und die Stellen, wo diese gesammelt werden konnten. Daraufhin begaben sich die Rangers, bewaffnet mit Handschuhen und Eimern hinaus in die Natur, um frische Brennesselspitzen, Löwenzahnblätter, Sauerampfer und alles, was ihnen dazu noch so schmeckte zu sammeln.
War ein Team der Meinung, es hätte alle benötigten Zutaten für sein Mittagessen, so begann der interessanteste Teil dieses Unternehmens: aus dem gesammelten Grünzeug wurde ein komplettes Mittagessen zubereitet. Es gab Brennesselspätzle, Fleischküchle (Frikadellen) an Sauerampfersoße und als Beilage einen Salat auf Basis von Löwenzahn mit Zutaten nach eigenem Gusto. Zubereitet wurde das Ganze auf den mitgebrachten Trangia-Kochern. Wer so mutig war, dieses 'Gebräu' sogar noch zu probieren, und das waren die meisten, der blieb an diesem Mittag bestimmt nicht hungrig.
Gleichzeitig gab es auch noch die Möglichkeit, das am ersten Abend ausgefallene Brot backen auf dem Waldläuferbackofen oder im selbst gebauten Steinbackofen nachzuholen. Hier füllten sich dann auch die letzten Mägen, die zuvor vielleicht doch noch etwas Hunger übrig gelassen hatten. Und spätestens hier nahmen dann auch die letzten Kleider den fahrtenüblichen Geruch des Lagerfeuers an.
Dem Mittagessen folgte eine Zeit, in der jeder die Prüfungen ablegen konnte, zu denen er im Verlauf der Fahrt nicht gekommen war, weil er sie nicht geschafft hatte, oder weil die Zeit dafür bisher zu knapp gewesen war. Außerdem konnten hier auch noch die letzten noch fehlenden Unterschriften für bereits abgelegte Prüfungen im Fahrtenlogbuch nachgereicht werden. Diese Möglichkeit wurde von den Rangers rege genutzt, um am Ende der Fahrt eine möglichst lupenreine Bilanz vorlegen zu können.
Der nun folgende Workshop widmete sich dem Thema 'Royal Rangers international'. Die ursprünglich geplante Videopräsentation mußte zwar entfallen, da der eingeplante Videoprojektor kurzfristig doch nicht verfügbar war, doch der Trailwart ließ es sich nicht entgehen, von seinen Erfahrungen mit Royal Rangers, Exploradores del Rey, Exploradores do Rei, Zarskije Ochotniki, Korolevskoje Metniki und wie sie auch alle heißen zu berichten. Im Verlauf des Kurses gab er den Rangers auch Hinweise, wie sie, unter Nutzung moderner Medien, mit Royal Rangers in aller Welt in Kontakt treten könnten. Auch das Angebot Adressen kontaktfreudiger ausländischer Rangers zu erhalten wurde von einigen Rangers gerne genutzt.
Zum Ende der Fahrt gab es noch eine große gemeinsame Aufräumaktion. Diese endete in einem bunten Trangia-Salat, so daß alle mitgebrachten Trangias noch einmal zerlegt und die entsprechend gekennzeichneten Einzelteile zusammensortiert werden mußten.
Den Abschluß bildete eine Ansprache des Trailpastors und des Regionalleiters und eine spontane Dankbekundung an alle Leiter, die zum Gelingen dieser großartigen Fahrt beigetragen haben.
Schließen möchte ich diesen Bericht mit dem Zitat eines Teilnehmers: "Das machen wir nächstes Jahr wieder." Na dann bis zum nächsten Jahr...
[Fani]
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